Felix Krieger Earns Rave Reviews For Rare Opera Recordings
Conductor Felix Krieger did it again: Rave reviews keep coming in for his latest recording, Ermanno Wolf-Ferrari’s one-act opera “Il segreto di Susanna” (Oehms Classic). The latest success underlined the extraordinary prestige that Felix Krieger built with his Berliner Operngruppe, an independent orchestra & chorus dedicated to bringing rare opera treasures on stage. This comes shortly after the worldwide success of the world premiere (!) of Gaetano Donizetti’s “Dalinda” under the artistic leadership of Felix Krieger, now also on Oehms Classic.
Roland H. Dippel
Concerti, February 2025
Harmonische Ehekrise
Felix Krieger, die Berliner Operngruppe und zwei ideale Solisten bewegen sich grazil durch Wolf-Ferraris Kurz-Oper „Il segreto di Susanna“.
Das Orchester der Berliner Operngruppe beherrscht das italienische Repertoire von den Belcanto-Spätausläufern bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts glänzend. Felix Krieger setzt Wolf-Ferraris Kontraste kulinarisch und grazil um: die melodischen Gesten im Streitduett, die pikante Begleitung der Arien, die Hurtigkeit der Sinfonia und das Zitat aus Debussys „Prélude à l’après-midi d’un faune“ zum Zigarettenrauch. Angesichts der wirkungsvollen Hauptpartien erstaunt es, dass die Oper nicht in noch mehr Einspielungen vorliegt. Hier agiert ein ideales Doppel: Lidia Fridman mit dem üppigen Material eines überbordend farbenreichen Soprans und Omar Montanari als ebenbürtiger Bariton-Platzhirsch mit vollendeten vokalen Umgangsformen. Das Ehedramolett von 1909 durchspielt in 46 Minuten Zärtlichkeit, Wut, Eifersucht und Versöhnung. Wolf-Ferrari hat da sehr genau in die Partitur von Verdis „Falstaff“ geblickt. © 2025 Concerti
“The Berliner Operngruppe orchestra masters the Italian repertoire, from late belcanto to early 20th century, in perfection.”
Manuel Brug
Rondo, November 2024
Kurz, pikant, temperamentvoll – so entfaltet sich von der rhythmisch scharfen Ouvertüre an die vergnügliche Farce „Il segreto di Susanna“ des zu Unrecht nur noch so selten zu hörenden Deutsch-Italieners Ermanno Wolf-Ferrari, die 1909 erstmals in München gespielt wurde. Erzählt wird in modernisierter Commedia-dell’Arte-Manier, die Wolf-Ferraris auch in längeren Opern erprobte Spezialität war, von der heimlich rauchenden Gattin des ihr wegen des Geruchs einen Liebhaber andichtenden Grafen – bis beide sich erleichtert und mit neuer Erkenntnis zum Finale eine Zigarette danach anzünden.
Da wackelt auch schon instrumental der Kleiderständer und klirren die Kaffeetassen, dazwischen treibt es zudem ein komischer Diener (beweglich: Guido Lamprecht) äußerst farcenbunt. Lidia Fridman gibt die Contessa Susanna mit spitzer, aber warmer Stimme, immer exaltiert, am Rande des Entdeckungsnervenzusammenbruchs. Auch Omar Montanari als schnurrender, wenngleich scharf die Vokalkrallen zeigender Baritongattenkater ist ein bewährter Vater der Klamotte, der seine Spitzentöne pointensicher zu setzen weiß.
Virtuos rollt dieses komische Intermezzo auf sein versöhnliches Ende zu. Der versatile Dirigent Felix Krieger wie das quicke Telefonorchester der stets enthusiastischen Berliner Operntruppe machen mal körperliche wie instrumentale Bocksprünge, haben den klanglich ausgeglichen Hüftschwung drauf. Dieser Einakter tanzt also äußert unterhaltsam Kür. Nach bisweilen Wagner-Schwersinn wie Mozart-Ödnis im Repertoire durchaus eine echte Erleichterung. Auch wenn Nikotin heute natürlich ein No-Go ist… © 2024 Rondo
Alexander Walther
Online Merker, November 2024
Ehekrach mit Happy End
Diese Aufnahme mit dem Orchester der Berliner Operngruppe unter der inspirierenden Leitung von Felix Krieger strahlt ungeahnte Lebendigkeit aus. Graf Gil kommt nach Hause. Er meint auf der Straße seine Frau Susanna gesehen zu haben. In der Wohnung bemerkt er Zigarettenrauch und wittert einen ungebetenen Liebhaber. Er selbst mimt die Tugend in Person: „Ich spiel‘ nicht, ich rauch‘ nicht, ich trink‘ nicht!“ Der Diener Sante stört hier immer wieder deutlich hörbar das Tete-a-Tete auf der Chaiselongue. Das Paar preist dabei seine Liebe. Doch als der Graf erneut Zigarettenrauch wahrnimmt, steigert sich seine Wut in Raserei, er beschimpft Susanna, droht mit Gewalt. Es gelingt ihr nicht ein zweites Mal, seine Zweifel zu zerstören. Der Graf macht sich auf den Weg zu seinem Club. Aber er kehrt schon nach kurzer Zeit zurück – denn er möchte seine Frau mit ihrem Liebhaber in flagranti erwischen. Die Atemlosigkeit des Geschehens bringt der Dirigent Felix Krieger gut zum Ausdruck. Susanna hat inzwischen Angst um die Gesundheit ihres Mannes. Auf ihre Frage, was er denn suche, antwortet er: „Den Regenschirm!“ Als sie ihm diesen gibt, verlässt er die Wohnung, um dann im nächsten Moment wiederzukommen. „Wo ist der Schurke?“ schreit er. Als er auf seine Frau zugeht, verbrennt er sich auch noch die Hand an ihrer Zigarette. Er wirft seine Tugenden über Bord und ist erleichtert: Ab jetzt rauchen sie gemeinsam! Ermanno Wolf-Ferraris Opern-Einakter kommt als spritzige Komödie in D-Dur daher. In der Ouvertüre werden forsch vier Themen vorgestellt und kunstvoll verarbeitet. Wuchtige Akkorde, rasante Sechzehntelläufe und prägnante rhythmische Motive wechseln sich hier facettenreich ab. Gils Arie erinnert zuweilen an die berühmte „Verleumdungs“-Arie aus Rossinis „Barbier von Sevilla“. Und Susannas Klavierspiel gemahnt sogar an Mozart, was ihren Mann sichtlich besänftigt. Es gelingt dieser Aufnahme, elektrisierende Opernatmosphäre hervorzuzaubern. Selbst Pergolesis „La serva padrona“ bleibt spürbar. Gräfin Susanna interpretiert Lidia Fridman mit farbenreich-betörendem Sopran, während Graf Gil von Omar Montanari mit famos-voluminösem Bariton dargeboten wird. Das aus der Sprachmelodie abgeleitete Parlando klingt hier überaus flüssig, leidenschaftliche Steigerungen besitzen wahrhaft melodischen Reiz. Die E-Dur-Kantilene Susannas überzeugt als Hymne auf die Seligkeit des Rauchens, die Lidia Fridman feinnervig interpretiert. Guido Lamprecht spielt hier als Diener Sante eine stumme Rolle. Die Miniaturouvertüre verzaubert den Hörer mit ihrer kontrapunktischen Virtuosität. Als sich das Paar setzt, blitzt Mozarts Todes-Tonart g-Moll auf. Der Ehekrach gleicht einer Schlachtenmusik, selbst ein Motiv aus Beethovens fünfter Sinfonie ist zu hören. Chromatische Tonleitern der Violinen unterstreichen die zuweilen fast sphärenafte Aura dieser Musik, selbst ein Motiv aus Claude Debussys „Nachmittag eines Faun“ klingt an. Als der Graf sich die Finger an einer Zigarette verbrennt, fährt eine None durchs Orchester. Dieses grelle Intervall der kleinen Sekunde leitet zu Reminiszenzen aus Giuseppe Verdis „Falstaff“ über. Eine hörenswerte Aufnahme, die keinen Moment Langeweile aufkommen lässt. © 2024 Online Merker
Ingrid Wanja
Opera Lounge, November 2024
Alles andere als politisch oder sonst wie korrekt ist Ermanno Wolf-Ferraris Einakter Il Segreto di Susanna, den er selbst als Intermezzo bezeichnete, der aber nun von Oehms als Komische Oper auf den Marktgebracht wurde und zwar als Mitschnitt eines Opernabends vor zwei Jahren, als daneben noch Mascagnis Zanetto als Kontrastprogramm von der Berliner Operngruppe aufgeführt wurde. Einiges Empörungspotential hat das Stück, da am Ende nicht die Gräfin Susanna vom Laster des Rauchens befreit wird, sondern ganz im Gegenteil ihr Gatte, der Graf Gil, ihm ebenfalls verfällt und das Ganze mit einem an Verdis Falstaff erinnernden „Tutto è fumo“ gefeiert wird, nachdem schon zuvor Beethovens Fünfte und Debussys Siesta haltender Faun zitiert wurden. Ein stummer Diener geistert neben dem Ehepaar durch das Stück, der aber natürlich auf der CD keine Spur hinterlässt. Das Operchen wurde 1909 in München in deutscher Sprache uraufgeführt und verschwand nie völlig von den Spielplänen.
Seit zwölf Jahren erfreut die Berliner Operngruppe unter ihrem Dirigenten Felix Krieger das Berliner Publikum mit der Aufführung noch nie oder selten erlebten italienischen Opern, so Verdis I Masnadieri oder Stiffelio, Puccinis La Villi und Edgar, Bellinis Beatrice di Tenda, Donizettis Dalinda oder Mascagnis Iris, und von den beiden letzteren gibt es, ebenfalls von Oehms, CDs.
Kontinuierlich an Quantität, d.h. Zahl der Mitwirkenden, wie an Qualität gewachsen ist der Klangkörper, weil inzwischen fast ausschließlich aus Berufsmusikern bestehend, die es als eine Ehre ansehen, an den einmal im Jahr und einmalig stattfindenden Aufführungen teilzunehmen. Auch der Chor, der allerdings in diesem Werk nichts zu tun hat, hat eine ähnliche Entwicklung durchlaufen.
Das Orchester beginnt rasant und hat im Verlauf der knappen Stunde viele intensiv genutzte Möglichkeiten, zahlreiche Facetten von Übermut, Charme, Ironie, Duftigkeit und Rasanz der Partitur auszuloten. Nie hat der Hörer wie sonst so oft den Eindruck, Leichtigkeit sei ein schwer zu vollbringendes Werk, sondern unter Felix Krieger, gewinnen die Musiker die Fähigkeit, sie als selbstverständlich erscheinen zu lassen. Sinfonia und Interludio erweisen sich als kleine Kostbarkeiten. Auch die Gesangssolisten sind höchst erfreulich. Der italienische Tenor Omar Montanari, an Rossini und Donizetti geschult, verfügt über recht dunkle, gar nicht anämisch wirkende Stimmfarben, die Stimme hält auch dem Wutausbruch über den vermeidlichen Ehebruch stand, und die Diktion ist beispielhaft, was man leider von der der russischen Sopranistin Lidia Fridman nicht behaupten kann, die aber mit einer frischen, in der Höhe aufblühenden Stimme, in der sich der Charme der optischen Erscheinung zu spiegeln scheint, den Ohren schmeicheln kann.
Man kann nur hoffen, dass es auch 2025 wieder eine Aufführung der Berliner Operngruppe und danach eine daran erinnernde CD geben wird. © 2024 Opera Lounge